Am Nachmittag des 29. März 1945 verließen 400 bis 450 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter den Ort Deutsch Schützen. In den Wochen zuvor hatten sie dort am Südostwall geschanzt. Erstes Ziel ihres Evakuierungsmarsches war Hartberg. Drei SS-Soldaten und einige HJ-Burschen begleiteten sie als Wache. P1050428KopieklDie erste Nacht verbrachten die Ungarn auf freiem Feld bei Jabing. Am nächsten Morgen marschierten die Ungarn in Richtung Oberdorf. Bereits kurz hinter Jabing wurde der erste erschöpfte ungarische Jude von einem SS-Mann erschossen. Mindestens ein weiterer Ungar starb kurz hinter Oberdorf im Wald. Franz Dobesberger, ein HJ-Angehöriger aus der Wachmannschaft des Evakuierungsmarsches, erzählte später abweichend davon vor seinen Kameraden, dass zwei erschöpfte Juden bei Oberdorf erschossen wurden. Einen davon, so erzählte er, hätte er eigenhändig erschossen. Ob es tatsächlich einen zweiten Mord bei Oberdorf gab oder ob es sich dabei um die Prahlerei eines HJ-Burschen handelte, konnte das Volksgericht nicht mit Sicherheit klären.

 

Quellen:

Wiener Stadt- und Landesarchiv, Landesgericht Wien Vg 8 Vr 661/55 gegen Dobesberger, Weber, Storms, Aldrian u.a., Zeugenaussage von Marianne Ivansits, Emilie Konrad, Juliane Janisch, Rudolf Konrad und Franz Engel, S. 210 – 215.

Walter Manoschek. „Dann bin ich ja ein Mörder!“ Adolf Storms und das Massaker an Juden in Deutsch-Schützen. Göttingen 2015, S. 95 – 97.

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